Keramische Beschichtung selbst auftragen gelingt in sechs Schritten: waschen, dekontaminieren, polieren, entfetten, Beschichtung auftragen und aushärten lassen. Die Vorbereitung ist entscheidend. Eine Beschichtung, die auf einer unreinen oder beschädigten Lackoberfläche aufgetragen wird, fixiert diese Unvollkommenheiten dauerhaft unter der Schutzschicht.
Das Endergebnis bei korrekter Ausführung ist eine hydrophobe, UV-beständige Schutzschicht, die drei bis fünf Jahre hält. Plane einen vollständigen Tag ein. Eile ist der größte Feind einer guten keramischen Beschichtung.
Auf einen Blick
Dauer: 6-8 Stunden inkl. Vorbereitung
Schwierigkeit: Fortgeschritten
Materialkosten: ab ca. 50 Euro
Was du brauchst
Stell alles bereit, bevor du anfängst. Mittendrin zu stoppen, um Material zu suchen, kostet Zeit und Qualität.
Shampoo, Waschhandschuh (Mikrofaser), zwei Eimer mit Grillnetz
Eisenentferner und Claybar mit Gleitmittel
Dual-Action-Poliermaschine, Cutting Pad, Finishing Pad, mittlere Politur und Fine Polish
Panel Wipe oder Isopropylalkohol 70% als Entfetter
Keramische Beschichtung, Wildleder-Applikator mit Block, saubere Mikrofasertücher
Gute Beleuchtung: Arbeitslampe oder LED-Leiste, um High Spots und Swirls zu erkennen
Schritt 1: Gründliche Wäsche
Beginne mit einer Zwei-Eimer-Wäsche. Verwende einen Mikrofaser-Waschhandschuh, keinen Schwamm. Ein Schwamm hält Schmutz fest und zieht ihn über den Lack, was feine Kratzer verursacht. Arbeite von oben nach unten in geraden Bahnen, niemals in Kreisen. Kreisförmige Bewegungen sind die direkte Ursache von Swirl-Mustern, die du in Schritt 3 wegpolieren musst. Spüle jedes Panel sofort ab, bevor der Schmutz trocknet. Trockne das Auto danach mit einem sauberen Mikrofasertuch, nicht klopfend, sondern mit sanftem Druck. Achtung: Wenn dein Shampoo Wachs enthält, haftet die Beschichtung später nicht richtig. Verwende immer wachsfreies Shampoo.
Schritt 2: Dekontaminieren
Nach dem Waschen befinden sich fast immer Eisen- und Teerrückstände im Lack, die du nicht siehst, aber spürst. Sprühe einen Eisenentferner auf das kalte, nasse Panel und warte, bis die Flüssigkeit von klar nach violettrot wechselt. Diese Farbveränderung ist Eisenoxidation, die von Bremsstaub stammt, der sich im Lack festgesetzt hat. Gründlich abspülen. Anschließend mit der Claybar und Gleitmittel über jedes Panel fahren, bis die Oberfläche glatt wie Glas ist. Das entfernt organische Verschmutzungen und Baumharz, die der Eisenentferner nicht angreift. Trockne das Auto erneut, bevor du mit Schritt 3 weitermachst. Achtung: Claybar niemals ohne Gleitmittel verwenden. Trockenes Clayen zieht Kratzer in den Lack, die beim Polieren extra Arbeit kosten.
Schritt 3: Polieren
Polieren ist der zeitaufwendigste Schritt und auch der entscheidendste. Keramische Beschichtung ist transparent und fixiert den Lack so, wie er ist. Swirls, Hologramme oder Oxidation verschwinden nach dem Auftragen nicht mehr. Beginne mit einem Cutting Pad und mittlerer Politur auf der Dual-Action-Maschine bei Stufe 3-4. Arbeite pro Panel in einem Bereich von 40 mal 40 Zentimetern: vier horizontale Bahnen, vier vertikale Bahnen, dann auswischen. Kontrolliere mit der Arbeitslampe aus einem flachen Winkel. Wechsle dann zu einem Finishing Pad mit Fine Polish für den Glanz. Achtung: Zu viel Produkt auf dem Pad ergibt Schleier statt Glanz. Verwende jedes Mal drei bis vier Tropfen Politur, nicht mehr.
Schritt 4: Entfetten mit Panel Wipe
Nach dem Polieren liegt eine dünne Schicht Polierrückstand auf dem Lack. Diese muss vollständig entfernt werden, bevor die Beschichtung aufgetragen wird. Verwende Panel Wipe oder Isopropylalkohol 70% auf einem sauberen Mikrofasertuch und wische jedes Panel in geraden Bahnen ab. Kontrolliere das Tuch: Wenn es dunkel abfärbt, war das Panel noch nicht sauber. Verwende dann ein neues, sauberes Tuch für den zweiten Wisch. Panel Wipe entfernt auch eventuelle Wachs- oder Ölrückstände, die die Haftung verhindern würden. Achtung: Trage während und nach der Entfettungsphase immer Nitrilhandschuhe. Hautfett von deinen Fingern reicht aus, um einen Fettfleck zu hinterlassen, den die Beschichtung nicht überbrücken kann.
Schritt 5: Keramische Beschichtung auftragen
Trage die Beschichtung bei einer Temperatur von 15 bis 25 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit unter 70 Prozent auf. Im Freien in der Sonne zu arbeiten ist keine Option. Arbeite in einem geschlossenen Raum oder im Schatten. Tropfe vier bis sechs Tropfen Beschichtung auf den Wildleder-Applikator und arbeite pro Panel auf maximal 50 mal 50 Zentimetern. Bewege den Applikator im Kreuzmuster: horizontal, dann vertikal über dieselbe Fläche. Warte die vom Hersteller angegebene Flash-Zeit ab, meist 60 bis 120 Sekunden, bis die Beschichtung einen Regenbogen- oder Nebeleffekt zeigt. Wische danach sofort mit einem sauberen Mikrofasertuch ab und buff den verbleibenden Widerstand mit einem zweiten Tuch weg. Das sind die High Spots. Lass sie niemals länger sitzen als angegeben, denn ausgehärtete High Spots sind extrem schwer zu entfernen, ohne erneut zu polieren. Achtung: Arbeite immer Panel für Panel und wische ab, bevor du zum nächsten gehst. Zwei Panels gleichzeitig zu beschichten und dann erst abzuwischen, ist eine Garantie für eingebrannte High Spots.
Schritt 6: Aushärten
Nach dem Auftragen beginnt die Aushärtungsphase. Die Beschichtung ist in den ersten 24 Stunden extrem empfindlich gegenüber Wasser. Regen, Tau, Vogelkot oder Sprinklerwasser, das auf die Oberfläche trifft, während die Beschichtung noch nicht ausgehärtet ist, zieht Wasserflecken in die Schutzschicht, die ohne Polierarbeit nicht mehr herausgehen. Stelle das Auto in eine Garage oder unter ein gutes Carport. Fahre die ersten 24 Stunden nicht im Regen. Die vollständige chemische Aushärtung dauert zwei bis vier Wochen, abhängig von der Beschichtung und der Umgebungstemperatur. In diesem Zeitraum reagiert die Beschichtung noch auf extreme Temperaturschwankungen. Wie streng diese erste Phase ist, variiert stark je nach Beschichtung: manche Sprays und Sealants sind schon nach einer Stunde regenfest, während eine harte keramische Beschichtung bis zu sieben Tage vollständig trocken bleiben will. Die 24 Stunden oben sind eine sichere Faustregel, kein Gesetz. Befolge immer die Aushärtezeit auf dem Datenblatt deiner spezifischen Beschichtung. Achtung: Eine Schutzabdeckung direkt nach dem Auftragen erzeugt Kondensation, die denselben Effekt hat wie Regen. Lass die Beschichtung die ersten 24 Stunden offen an der Luft in einem trockenen Raum.
Pflege nach dem Auftragen
Keramische Beschichtung zu pflegen ist einfacher als die Lackpflege davor, erfordert aber Konsequenz. Behandle das Auto nach jeder Wäsche mit einem pH-neutralen Quick Detailer auf dem noch feuchten Lack nach. Das füllt Mikro-Unebenheiten auf und hält die hydrophobe Wirkung auf einem hohen Niveau.
Verwende nach drei Monaten einen Coating-Topper-Spray als Boosterschicht. Das verlängert die Lebensdauer der Beschichtung erheblich und lässt sich nach einer normalen Wäsche einfach selbst auftragen.
Plane eine jährliche Kontrolle. Prüfe die hydrophobe Wirkung, indem du Wasser über die Motorhaube laufen lässt. Perlendes Wasser, das in großen Tropfen abläuft, bedeutet, dass die Beschichtung noch aktiv ist. Breitet sich das Wasser in flachen Pfützen aus, ist eine Topper-Schicht oder eine vollständige Neubehandlung angebracht.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis keramische Beschichtung vollständig ausgehärtet ist?
Darf es nach dem Auftragen keramischer Beschichtung regnen?
Wie viele Schichten keramische Beschichtung sollte man auftragen?
Wie lange hält keramische Beschichtung?
Was ist der Unterschied zwischen keramischer Beschichtung und Wachs?
Kann man keramische Beschichtung über Wachs auftragen?
Über diese Anleitung
Geschrieben von T&H Car Care, Borne. Wir sind spezialisiert auf keramische Beschichtung und Lackpflege für Privat- und Gewerbekunden in der Region Twente. Lieber keramische Beschichtung vom Fachmann auftragen lassen? Schau dir unseren Keramikbeschichtungs-Service für eine professionelle Behandlung mit Garantie an.
